Archive for Juni, 2007

Frankfurt Paulskirche – Mythos und Facts

Freitag, Juni 29th, 2007

I.Teil einer geplanten Serie

Die Eberhard Friedrich Walcker-Orgel der Frankfurter Paulskirchenorgel, gebaut 1827-1833 mit 74 Registern auf drei Manualen und zwei Pedalen stellt durch die gewaltigen Neuerungen in Disposition und Pfeifenwerkgestaltung einen Mythos dar, der durch den Umbau im Jahre 1899 und die Zerstörung im II.Weltkrieg reichlich genährt wurde.

Diese Orgel, ein Grundstein des romantischen Orgelbaus in Deutschland, wollen wir wieder mit neuem Feuer beleben. Das Instrument, das seit seiner ersten Planung im Jahre 1825 bis heute immer wieder neu die Gemüter erhitzt hat, dieses Instrument strahlt eine unheimliche Wärme und Faszination aus, allein wenn man die Disposition liest.

Der nachfolgende Beitrag enthält neben dieser Disposition erste und wichtige Mensurangaben zu dieser Orgel. Ich denke, dass wir mit weiteren zwei, drei Artikeln alles Wesentliche über diese Orgel – und Pfeifengestaltung gesagt haben werden. Außerdem sind Bilder aus den Mensurblättern enthalten

Alle wichtigen Mensur-Unterlagen aus dieser Orgel liegen in unserem Archiv vor, so dass wir also umfangreiche Untersuchungen hier zeigen können.

(gwm) 30.6.07 hier also : frankfurt_paul01.pdf

Hier noch zwei, drei Ergänzungen zur Sache, die historische Randnotizen sind. Ein Brief von Prof. Helmut Walcha aus dem Jahre 1947 an Dr. Oscar Walcker und die daraus resultierende Disposition. Man soll also sehen wie „ORGELVERFALL“ tatsächlich vor sich geht. Denn diese Disposition verglichen mit der Eberhard Friedrich Walckers – einfach erschütternd.

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Kegel Opus 35 (39)

Freitag, Juni 22nd, 2007

Diese Orgel, die weitgehend erhalten ist, wurde 1841 mit Schleif- und Kegelladen gebaut. Lt. Auskunft eines ansässigen Orgelbauers sind die Pedalladen mit drei Registern in Kegelladen gemacht. In jedem Fall die erste Orgel wahrscheinlich weltweit, die in Deutschland gefertigt und im Ausland aufgestellt wurde mit jenem Windladensystem. Interessant an dieser Orgel ist aber auch, dass Eberhard Friedrich diesen Prospekt als Vorlage für einen reich verzierten Orgelprospekt für seinen Briefkopf verwendete. Diese Grafik wurde allerdings, wie man an div. Einzelheiten sieht nicht von einem Orgelbauer gemacht.

Eine weitere Besonderheit am Briefkopf: noch lange läßt Eberhard Friedrich Walcker, der immer mit „Walcker“ unterschreibt, bei Drucksachen die Schreibweise „Walker“ gelten.

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Dispo 1841: Manual P8, ViolG8, Ged8, Dolce8, Rohrfl8,Sptzfl8, Mix3f,Oc2

Ped: Sub16, Violb16, Octb8

Gutachen von EFW über die Orgel der Ffm-Nikolai 1856

Mittwoch, Juni 20th, 2007

Eberhard Friedrich Walcker hat am 16.April 1856 ein Gutachten über die Orgel der Frankfurter Nikolaikirchen-Orgel geschrieben, sehr ausführlich und engagiert wie zu erwarten. Wir können aus diesem Gutachten sehr schön herauslesen, welchen Zustand die Orgeln der damaligen Zeit hatten und was Eberhard Friedrich Walcker, dem halben Frankfurter, so sehr am Herzen lag.

Das  Dokument liegt vor in Druckschrift als PDF-Dokument und beträgt rund 3 Seiten. gutachtenefw1856ffm_nikolai.pdf
gwm

Opus 68 Heilbronn Kilianskirche

Samstag, Juni 9th, 2007

Das Heilbronner Tagblatt von 1847 beweist für mich wieder einmal mit welchem Enthusiasmus und Tiefgang „Journalismus“ vor 150 Jahren betrieben wurde.

Jener Zeitungsartikel erschien im Jahre 1847 im Heilbronner Tagblatt. Es handelt sich um die Eberhard Friedrich Walcker-Orgel Opus 67( gebaut 1843-1847 mit 50 Register III.Manuale)  für Heilbronn, Kilianskirche. Das Instrument wurde im II.Weltkrieg zerstört.

 Wir haben den Zeitungsartikel komplett abgeschrieben, da es nicht jedermanns Sache ist, den ungewohnten Zeichen der alten Zeitung zu folgen. Dennoch wollen wir aber jenen, die in solch einer „Antiquität“ studieren wollen, das Vergnügen ermöglichen, indem wir den eingescannten Artikel als Bilddatei zu Verfügung stellen.

Zu dieser typischen gotischen Gestaltung der Heilbronner Orgel haben wir weitere Orgelbilder aus der Zeit von Eberhard Friedrich Walcker gesetzt, um zu zeigen, dass die gotische Gestaltung bei Eberhard Friedrich eine glasklare und  sichere Hand sowohl in Proportionierung wie im Detail beweist. Auch hier hat der Meister seinen eigenen Stil gefunden, der mannigfach kopiert wurde, und der sehr flexibel auf die verschiedenen Eigenheiten der einzelnen Kirchen einging. Es handelt sich neben Heilbronn, Kilianskirche Op 68, um Markgröningen Op 75, 33 Reg, Bj. 1848 – Schwäbisch Hall, Op 27, 35 Reg. Bj. 1839 – Schorndorf Op 84, 33 Reg., Bj 1849.

Alle hundert Jahre wird die deutsche Sprache neu reglementiert. Das war um 1900 so, und ähnlich  in den vergangenen Jahren, weswegen wir Texte aus diesen alten  Zeiten oft transkribieren müssen. Die Schwierigkeiten des nachfolgenden Textes sind minimal, man versteht als Orgelkenner sofort  um was es geht. Deswegen wurde keine Eindeutschung auf heutige Rechtschreibung oder gar auf das „Idiotendeutsch der Tschat- oder Forensiniker“ (…es funzt jez wieda…) vorgenommen.

Der Text sagt uns, was den Leuten der damaligen Zeit wichtig war, und er sagt uns was Eberhard Friedrich Walckers Prioritäten waren, denn er hat ohne Zweifel an der Erstellung dieses Artikels mitgewirkt. 40 Jahre nach seinem Zusammentreffen mit Vogler, wird hier nochmals explizit auf den großen Musiker und Theoretiker Bezug genommen. (gwm)

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Die neue Orgel in der Kilianskirchezu Heilbronn

Nachdem der Stiftungsrat unterm 1.Sept. 1842 den Beschluß gefaßt hatte, eine neue Orgel anzuschaffen, kam am 15.Novbr. 1843 mit Eberhard Fried. Walker und Spaich zu Ludwigsburg ein Accord über deren Erbauung um 8250 fl. zu Stande.

Sie wird jetzt aufgestellt und soll am nächsten Adventsfeste eingeweihet werden. eine kurze Beschrebung dieses großen musikalischen Instruments ist daher jetzt an der Zeit.

Es umfaß 3 Manuale, je 54 Tasten oder 4 1/2 Octaven von groß C bis dreigestrichenes F, und ein Pedal mit 27 Tasten oder 2 Octaven und 3 Töne von contra C bis klein D; hat ein im rein gothischen Style erbautes 38′ hohes und 26 1/2‚ breites Orgelgehäuse, welches durch 4 mit Fialen und Blumen verzierten, pyramidalischen Pfeilern in 3 Feldern des 16füssigen Manual-Principals umschließt und dem Ganzen ein recht großartiges Aussehen gibt.

Unmittelbar vor dem Gehäuse ist der Klavierkasten, in welchem sich die 3 Klaviere sammt Pedal befinden, auf einer stufenartigen Erhöhung so gestellt, daß der Spieler über denselben hinwegsehend.

Das erste Manual dirigiert 17 Stimmen, worunter drei 16füssige mit 2 aufschlagenden Zungenwerken sich befinden, der Charakter desselben ist großartig und brillant; das zweite Manual 11 Stimmen, worunter Eine 16füssige und 1 einschlagendes Zungenwerk ist, sein Charakter ist kräftig und zugleich angenehm; das 3te Manual 9 Stimmen worunter 1 einschlagendes Zungenwerk( Physharmonika 8 Fuß) zum anschwellen eingerichtet ist, daß mittelst Pedal die Töne vom leisesten Hauch bis zu einem ziemlichen Forte modulirt werden können, dem Character nach lieblich; und das Pedal 13 Stimmen worunter Eine 32füssige, überhaupt aber 5 aufschlagende Zungenwerke sind, von sehr kraftvoller und den 3 Manualen angemessener Wirkung.

Das ganze Werk enthält somit 50 klingende Stimmen, die 2079 metallene und 810 hölzerne, zusammen 2889 Pfeifen zählen und nahc dem richtig mathematisch geordneten Octaven=Satz der Triasharmonika, von in Natura 32 Fuß Tiefe bis 1/16 Fuß Höhe , einen Tonumfang von beinahe 9 Octaven bilden. – Sämmtliche Windladen sind mit kegelförmigen Springventilen versehen, welche ohne Federdruckeinem compacten Windverschluß bewerkstelligen und 8 große Cylinder-Blasbälge, beide Theile nach der eigenen Erfindung des Verfertigers construiert, liefern zusammen 448 Cubikfuß Wind.

Das Regierwerk ist zwar compliciert aber vermöge siener Bauart zuverlässig; das Traktament desselben ist sehr weich und die Bewegung präzis und still und eben deßhalb beim Spieler angenehm.

Eine sehr willkommene Mittheilung für den Organisten dürfte übrigens noch die mechanische Anordnung der Registerzüge wie sie zu beiden Seiten der Manualklaviere terassenförmig angebracht und durch Farben unterschieden sind und eine detaillirte Beschreibung der Disposition der respectiven Orgel in nachstehender Tabelle sein.

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Die 17 Register des I.Manuals sind auf weißes Porzellain (mit Goldrand)

Die 11 Register des II.Manuals sind auf rosenrothes Porzellain (desgl)

Die 9 Register des III.Manuals sind auf grünes Porzellain (desgl.)

und die Register des Pedals haben je 27, die Manual=Register je 54 Pfeifen, mit Ausnahme der Cornett-Mixtur und Scharff-Reigster, welche die obenbemekrte Zahl haben.

So werden denn bald die geräumigen Hallen der Kilianskirche von tausendfältigen Stimmen einer Orgel erfüllt werden, deren Erbauer unser Landsmann ist, welcher europäischen Ruf geniest und welcher große Werke seiner Meisterschaft bereits nicht nur in vaterländischen Kirchen, sondern auch nach Petersburg, Reval, Helsingfors, ja sogar nach Nordamerika geliefert hat, und demnächst nach Hong-Kong in China liefern wird. T.

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und hier die Zeitungsauschnitte im Original:

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(gwm)