Archive for April, 2007

Opus 185 Meilen – Vox humana einschlagend

Samstag, April 28th, 2007

Eine hochinteressante Entdeckung für mich war heute, bei der Suche nach durchschlagenden Zungen bei Eberhard Friedrich, jene Vox humana in der Zeichnung für die Orgel nach Meilen Opus 185. Wir sehen an dieser Zeichnung (Maßstab ist ganz unten in württb. Fuss) diese wunderbare Stringenz und Logik, wie sie in allen Orgeln Eberhard Friedrich Walckers vorliegt. Eine geradezu göttliche Ordnung.

Wir sehen auf der Zeichnung unten rechts die Vox humana in einem beinahe genauso großen Fuß untergebracht, wie das daneben liegende Gedackt 8′ in der Größe ist. Natürlich ist es 4′ lang.

Hier aus der Zeichnung sind schon einfache Mensurrückschlüsse möglich. Klanglich kann die Vox humana an eine Klarinette herankommen. Wir werden versuchen bei nächster Gelegenheit die Mensuren zu erfassen und hier einzubringen.

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und hier der Gesamtplan mit Maßstab in württ. Fuß

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Comitee „Eberhard Friedrich Walcker Memorial Organ Rousse“ in Gründung

Sonntag, April 22nd, 2007

Die unmittelbare Gründung eines Orgelkomitees steht bevor. Gründungsmitglieder sind Ognian Zhekov, Präsident des Europ. Kulturzentrums in Russe und Silvi Stamboliev, ehemaliger Direktor der Philharmonie und ehemals Chef der Oper sowie der Musikschule in Russe. Die Fertigstellung des großen Theatersaals und der Beginn der Arbeiten am Orgelsaal geben Anlass zur Hoffnung, dass die Orgel für das Theater in Rousse, die kategorisch nach den Prinzipien Eberhard Friedrich Walckers gebaut werden soll, noch dieses Jahr in Auftrag gegeben wird. Wie wir erfahren haben sollen verschiedene Kulturträger aus der Stadt sowie zwei Organisten aus Sofia als Mitglieder des Komitees bestellt werden.

Opus 109 Horb – ein Tagebucheintrag

Montag, April 16th, 2007

Johann Baptist Hausch (1802 -1877) ist es zu verdanken, dass wir über die Logistik Eberhard Friedrich Walckers aufgeklärt werden. Denn jener Herr führte ein Tagebuch, indem der genaue Anlieferungstag der neuen Orgel Opus 109, 31 Reg. , im Jahre 1852 vermerkt wurde. Erstaunlich ist, die Orgel wurde am 30. April angeliefert und fünf Wochen später eingeweiht!

Anno 1852 am 30.April, Abends 1/2 acht Uhr, ist die neue Orgel von Ludwigsburg hier angekommen in einem besonderen großen Wagen, welchem ehemals dem alten König Friederich der I te gehört hatte zum Elefannten beijführen, es war ein furchtbarer großer Wagen, 23′ lang und 9 Fuß breit, ganz eingemacht und dunkelgrün angestrichen, gehörte als Eigenthumm dem berühmten Orgelmacher v. Ludwigsburg, Nammens Walker. Am 3.Maij 1852 habe ich, Johann Hausch, Zimmermeister, auf dem großen Cohr in der Stifts-Kirche die ehemalige neben der Orgel angebrachte und angebaute zweij Emporenbühnen abgebrochen und das Holtz zum Verkauf auf dem Kirchplatz beijm Cammeralammts-Gebeude getragen. Es war so viel Holtz und Bretter wie von einem kleinen Wohnhaus; es haben helfen abbrechen meine Sohn Johann Hausch, Mathes Schlotter v Rexingen.

zugestellt von Frau Marianne Hausch (UrUrenkelin d. Verfassers)

aus einer „Horber Chronik“ geht weiter hervor:

Orgel-Concert. Die in der hiesigen Stadtparrkirche nunmehr aufgestellt neue Orgel des Hrn. Walker in Ludwigsburg wird am

Montag, den 7.Juni d.J

von Herrn Musikdirektor J.Seitz aus Reutlingen übernommen werden. Hierauf wird Hr. Seitz Nachmittags dem Publikum die Leistungen des Orgelwerks in einem Concerte vorführen u. die nachbezeicheten Musikstücke produciren:

es folgen nun verschiedene Präludien und Arien etc. von Geißler , Händel, Hesse und Seitz selbst.

Opus 16 Winzerhausen

Sonntag, April 15th, 2007

wurde wiederentdeckt, mit dem wundersamen Einbau eines Ahlborn-Spieltisches.

Ein „surrealistisches Konzept“ das einem „Schwarzstreichen der Raffaelschen Madonna“ gleich käme.
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150 Jahre ist es her…

Sonntag, April 15th, 2007

Das Jahr 1857 im Lichte eines Taschenkalenders von Eberhard Friedrich Walcker. Ein Dokument, das uns sehr, sehr viel Arbeit gekostet hat. Auf den 16 Textseiten sind auch Skizzen Eberhard Friedrichs und seine komplexe Auseinandersetzung mit den Konstruktionen Aristide Cavaillé-Colls, dessen Werkstatt er in diesem Jahr besucht hat. Außerdem war Walcker in der Schweiz und in London, wo er sich auf die Bostoner Orgel vorbereitet hat. Wir haben den kompletten Kalender transkripiert und alle wichtigen Passagen in dieses PDF-Dokument eingebracht. Es wird klar, dass die Geschichtsschreibung über EFW eine Menge wird ändern müssen. Für jeden Orgelbauer und Orgelliebhaber aber geht aus diesen wenigen Zeilen und Bildern hervor, wie wichtig der romantische Deutsche Orgelbau war, gegen den Französischen Orgelbau gesetzt. Den heutigen Technokraten, die mit ihren positivistischen Formeln an der Romantik herumhampeln, sei gesagt, dass sie aus diesen wenigen Äußerungen des romantischen Genies und Schaffenden lernen können, zumindestens, dass Technik eben nur eine untergeordnete Bedeutung hat, gegen jeden schöpferischen Vorgang im Menschen. Damals, noch unter dem Einfluss Goethes und Schillers hat das deutsche Handwerk intuitiv und damit Großartiges geschaffen. Heute, unter dem Einfluss von Stubengelehrten und troglodytischen Mathematiklehrern, wird alles verdorben, was jene an Orgeln fassen. Hier, in der Deutschen Orgelromantik sind die Quellen, um unsere organole Gegenwart aufzuwerten – nirgendwo sonst.. (16MBYTE PDF)