Op 215 Asperg, Baujahr 1864, – eine Viola di Gamba 8

Nach dem ungeheuren Erlebnis eine wahrhaftige und authentische Walckersche Viola die Gamba in Palmares/Costa Rica gehört zu haben, liess mich der Gedanke nicht mehr los, wo man denn weitere Beschreibungen dazu finden kann.
Neben den Mensuren und Winddrücken, die zu der damaligen Zeit üblich waren, beschäftigte mich vor allem die Idee, doch verbale Hinweise von Orgelbauern aus der damaligen Zeit zu bekommen. Und was ist da schöner und bedeutender als eine direkte Aussage vom grundlegenden Orgelbauer der Orgelromantik, von Eberhard Friedrich Walcker. Hier fand ich eine aufschlussreiche Beschreibung in einem der ersten Opusbücher:

Walcker-Orgel Asperg, Op. 215
Opusbuch, S. 152f.
Asperg
Aus Auftrag des verehrten Kirchenvorstandes giebt der Unterzeichnete hiemit eine den örtlichen & akustischen Verhältnissen angemessene Disposition über die Erbauung einer neuen Kirchenorgel & zwar 1tens wie sie in Beziehung auf den kubischen Raum der Kirche & die Seelenzahl der Kirche-Besuchenden proportionirt & regelrichtig zusammengestellt & 2tens wie sie in Rücksicht auf die mir besonders empfohlenen ökonomischen Verhältnisse nothdürftig & also nach seinem äußersten Minimum auszuführen erforderlich ist.
Disposition No. 1 wie sie nicht nur genau den kubischen & akustischen Verhältnissen & Kirche & Kirch Gemeinde, sondern wie sie auch den musikalischen & kunstgemäsen Fortschritten unseres Zeitalters angemessen ist, erfordert seinem Umfange nach 14 kl. Stimmen, die der würdigen Abwechslung & der passenden Modulation wegen auf 2 Klaviere & Pedal vertheilt werden sollten. Ein Muster hiervon besitzt bereits die ungleich kleinere Nachbargemeinde Eglosheim & Kornwestheim hinter welcher die Gemeinde Asperg wenigstens nicht zurück bleiben sollte.

I. Man.
1. Prinzipal 8’ von engl. Zinn in die Fronte gestellt, von kräftig & sonorem Tone fein polirt
Hiebei könnte man wohl auch als Surrogat, [S. 2] die untere Octave v. Holz angewendet & dadurch etwa f. 100 erspart werden, was indeß der akustischen Verhältnisse wegen, da die Orgel im Chore placirt werden muß, hier weniger zu empfehlen ist, indem Holztöne auch auf die kunstgemäßeste Art ausgeführt, sich immer weniger von den Singstimmen destinguiren, was einzig nur durch eine zinnerne Normalstimme erreicht werden kann.
2. Viola di Gamba 8 v. engl. Zinn
diese Stimme imitirt in Verbindung mit Gedekt 8’ ein wahres Baßethorn, wobey noch der besondere Vorzug, daß sich die Stimmung gleich andere Labialstimmen rein erhält, während eigentliche Zungenstimmen eine 10mal kostspieligere Unterhaltung kosten.
3. Gedekt 8 voll & prompt ansprechend
4. Floete 8’ v. Holz offen, kräftig & weich
5. Octav 4 als Diapason vom Principal Stimmregal
6. Octav 2 zum vollständigen Octavsatz gehörig
7. Mixtur 4fach 22/3 so construirt, daß sie beim vollen Werke die Energie der Zungen Werke ersetzt.
II. Man.
8. Salicional 8 sanft klingend
9. Gedekt 8 voll & klar
10. Floete 4 v. Holz
11. Flautino als Octav Diapason v. No 10

Pedal
12. Sub Baß 16 v. H. ged.
13. Violon 16
14. Octav Baß 8

Die originalen Aufzeichnungen lege ich hiermit ebenfalls dem Blog bei:
asperg01.jpg asper02.jpg asperg03.jpg

hier wurde noch nachträglich die Viol di Gambe 8 aus der EFW-Walcker-Orgel in Hoffenheim als mp3 hochgeladen.
violdigamb.mp3

Comments are closed.