Gutachen von EFW über die Orgel der Ffm-Nikolai 1856

Eberhard Friedrich Walcker hat am 16.April 1856 ein Gutachten über die Orgel der Frankfurter Nikolaikirchen-Orgel geschrieben, sehr ausführlich und engagiert wie zu erwarten. Wir können aus diesem Gutachten sehr schön herauslesen, welchen Zustand die Orgeln der damaligen Zeit hatten und was Eberhard Friedrich Walcker, dem halben Frankfurter, so sehr am Herzen lag.

Das  Dokument liegt vor in Druckschrift als PDF-Dokument und beträgt rund 3 Seiten. gutachtenefw1856ffm_nikolai.pdf
gwm

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Opus 68 Heilbronn Kilianskirche

Das Heilbronner Tagblatt von 1847 beweist für mich wieder einmal mit welchem Enthusiasmus und Tiefgang „Journalismus“ vor 150 Jahren betrieben wurde.

Jener Zeitungsartikel erschien im Jahre 1847 im Heilbronner Tagblatt. Es handelt sich um die Eberhard Friedrich Walcker-Orgel Opus 67( gebaut 1843-1847 mit 50 Register III.Manuale)  für Heilbronn, Kilianskirche. Das Instrument wurde im II.Weltkrieg zerstört.

 Wir haben den Zeitungsartikel komplett abgeschrieben, da es nicht jedermanns Sache ist, den ungewohnten Zeichen der alten Zeitung zu folgen. Dennoch wollen wir aber jenen, die in solch einer „Antiquität“ studieren wollen, das Vergnügen ermöglichen, indem wir den eingescannten Artikel als Bilddatei zu Verfügung stellen.

Zu dieser typischen gotischen Gestaltung der Heilbronner Orgel haben wir weitere Orgelbilder aus der Zeit von Eberhard Friedrich Walcker gesetzt, um zu zeigen, dass die gotische Gestaltung bei Eberhard Friedrich eine glasklare und  sichere Hand sowohl in Proportionierung wie im Detail beweist. Auch hier hat der Meister seinen eigenen Stil gefunden, der mannigfach kopiert wurde, und der sehr flexibel auf die verschiedenen Eigenheiten der einzelnen Kirchen einging. Es handelt sich neben Heilbronn, Kilianskirche Op 68, um Markgröningen Op 75, 33 Reg, Bj. 1848 – Schwäbisch Hall, Op 27, 35 Reg. Bj. 1839 – Schorndorf Op 84, 33 Reg., Bj 1849.

Alle hundert Jahre wird die deutsche Sprache neu reglementiert. Das war um 1900 so, und ähnlich  in den vergangenen Jahren, weswegen wir Texte aus diesen alten  Zeiten oft transkribieren müssen. Die Schwierigkeiten des nachfolgenden Textes sind minimal, man versteht als Orgelkenner sofort  um was es geht. Deswegen wurde keine Eindeutschung auf heutige Rechtschreibung oder gar auf das „Idiotendeutsch der Tschat- oder Forensiniker“ (…es funzt jez wieda…) vorgenommen.

Der Text sagt uns, was den Leuten der damaligen Zeit wichtig war, und er sagt uns was Eberhard Friedrich Walckers Prioritäten waren, denn er hat ohne Zweifel an der Erstellung dieses Artikels mitgewirkt. 40 Jahre nach seinem Zusammentreffen mit Vogler, wird hier nochmals explizit auf den großen Musiker und Theoretiker Bezug genommen. (gwm)

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Die neue Orgel in der Kilianskirchezu Heilbronn

Nachdem der Stiftungsrat unterm 1.Sept. 1842 den Beschluß gefaßt hatte, eine neue Orgel anzuschaffen, kam am 15.Novbr. 1843 mit Eberhard Fried. Walker und Spaich zu Ludwigsburg ein Accord über deren Erbauung um 8250 fl. zu Stande.

Sie wird jetzt aufgestellt und soll am nächsten Adventsfeste eingeweihet werden. eine kurze Beschrebung dieses großen musikalischen Instruments ist daher jetzt an der Zeit.

Es umfaß 3 Manuale, je 54 Tasten oder 4 1/2 Octaven von groß C bis dreigestrichenes F, und ein Pedal mit 27 Tasten oder 2 Octaven und 3 Töne von contra C bis klein D; hat ein im rein gothischen Style erbautes 38′ hohes und 26 1/2‚ breites Orgelgehäuse, welches durch 4 mit Fialen und Blumen verzierten, pyramidalischen Pfeilern in 3 Feldern des 16füssigen Manual-Principals umschließt und dem Ganzen ein recht großartiges Aussehen gibt.

Unmittelbar vor dem Gehäuse ist der Klavierkasten, in welchem sich die 3 Klaviere sammt Pedal befinden, auf einer stufenartigen Erhöhung so gestellt, daß der Spieler über denselben hinwegsehend.

Das erste Manual dirigiert 17 Stimmen, worunter drei 16füssige mit 2 aufschlagenden Zungenwerken sich befinden, der Charakter desselben ist großartig und brillant; das zweite Manual 11 Stimmen, worunter Eine 16füssige und 1 einschlagendes Zungenwerk ist, sein Charakter ist kräftig und zugleich angenehm; das 3te Manual 9 Stimmen worunter 1 einschlagendes Zungenwerk( Physharmonika 8 Fuß) zum anschwellen eingerichtet ist, daß mittelst Pedal die Töne vom leisesten Hauch bis zu einem ziemlichen Forte modulirt werden können, dem Character nach lieblich; und das Pedal 13 Stimmen worunter Eine 32füssige, überhaupt aber 5 aufschlagende Zungenwerke sind, von sehr kraftvoller und den 3 Manualen angemessener Wirkung.

Das ganze Werk enthält somit 50 klingende Stimmen, die 2079 metallene und 810 hölzerne, zusammen 2889 Pfeifen zählen und nahc dem richtig mathematisch geordneten Octaven=Satz der Triasharmonika, von in Natura 32 Fuß Tiefe bis 1/16 Fuß Höhe , einen Tonumfang von beinahe 9 Octaven bilden. – Sämmtliche Windladen sind mit kegelförmigen Springventilen versehen, welche ohne Federdruckeinem compacten Windverschluß bewerkstelligen und 8 große Cylinder-Blasbälge, beide Theile nach der eigenen Erfindung des Verfertigers construiert, liefern zusammen 448 Cubikfuß Wind.

Das Regierwerk ist zwar compliciert aber vermöge siener Bauart zuverlässig; das Traktament desselben ist sehr weich und die Bewegung präzis und still und eben deßhalb beim Spieler angenehm.

Eine sehr willkommene Mittheilung für den Organisten dürfte übrigens noch die mechanische Anordnung der Registerzüge wie sie zu beiden Seiten der Manualklaviere terassenförmig angebracht und durch Farben unterschieden sind und eine detaillirte Beschreibung der Disposition der respectiven Orgel in nachstehender Tabelle sein.

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Die 17 Register des I.Manuals sind auf weißes Porzellain (mit Goldrand)

Die 11 Register des II.Manuals sind auf rosenrothes Porzellain (desgl)

Die 9 Register des III.Manuals sind auf grünes Porzellain (desgl.)

und die Register des Pedals haben je 27, die Manual=Register je 54 Pfeifen, mit Ausnahme der Cornett-Mixtur und Scharff-Reigster, welche die obenbemekrte Zahl haben.

So werden denn bald die geräumigen Hallen der Kilianskirche von tausendfältigen Stimmen einer Orgel erfüllt werden, deren Erbauer unser Landsmann ist, welcher europäischen Ruf geniest und welcher große Werke seiner Meisterschaft bereits nicht nur in vaterländischen Kirchen, sondern auch nach Petersburg, Reval, Helsingfors, ja sogar nach Nordamerika geliefert hat, und demnächst nach Hong-Kong in China liefern wird. T.

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und hier die Zeitungsauschnitte im Original:

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(gwm)

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Eberhard Friedrich Walcker und das Jahr 1844

Das Jahr 1844 war ein wichtiges Jahre für Eberhard Friedrich Walcker.

Den genannten Artikel habe ich im Jahre 2004 geschrieben. Er ist als Internetseite deswegen sehr wichtig, da dort mehrere  Links zu bisher noch nicht gezeigten Bildern liegen.

Ein weitere interessante Internetseite ist unsere Sammlung an Mensuren aus Eberhard Friedrich Walckers Hand:

Die Mensuren von EFW

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Eberhard Friedrich und die Neresheimer Holzhey Orgel

Ja, Sie haben sich nicht verlesen oder verhört. Tatsächlich war EFW im Jahre 1856 in Neresheim und hat diese Orgel aufgenommen und Register bewertet. Diese Aufzeichnung ist eine ERSTVERÖFFENTLICHUNG die m.W. nie in der Literatur auch nur erwähnt wurde. Musikwissenschaftler die Zeit und Muße haben eine Transkription von den vorliegenden Taschenkalendern-Auszügen zu machen, sind eingeladen, diese uns zukommen zu lassen, damit wir sie hier zeigen können.

Die Zungen (Trompete und Krummhorn) sind Eberhard Friedrich zu dünn, und das Krummhorn hätte er am liebsten gleich gegen ein Bassetthorn ersetzt. ( Bitte beachten die erste Seite ist das 3.Bildchen)

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Der Taschenkalender 1856 ist einer der wenigen der sehr fruchtbar für Orgelgeschichten ist und interessante Orgelbeschreibungen des Meisters enthält:

Frankfurt, Weißfrauen Kirche

Frankfurt, Nikolai Kirche, die nach der Verwendung der Paulskirche als polit. Gebäude an deren Stelle trat

Burgstall – Hemmingen – Hofenacker – Zweibrücken – Wesserling – Loffenau – Mannheim, Synagoge – Bitterfeld – Weil i.Dorf – Bruchsal – u.a.

und hier noch die Visitenkarte des Meisters

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Opus 185 Meilen – Vox humana einschlagend

Eine hochinteressante Entdeckung für mich war heute, bei der Suche nach durchschlagenden Zungen bei Eberhard Friedrich, jene Vox humana in der Zeichnung für die Orgel nach Meilen Opus 185. Wir sehen an dieser Zeichnung (Maßstab ist ganz unten in württb. Fuss) diese wunderbare Stringenz und Logik, wie sie in allen Orgeln Eberhard Friedrich Walckers vorliegt. Eine geradezu göttliche Ordnung.

Wir sehen auf der Zeichnung unten rechts die Vox humana in einem beinahe genauso großen Fuß untergebracht, wie das daneben liegende Gedackt 8′ in der Größe ist. Natürlich ist es 4′ lang.

Hier aus der Zeichnung sind schon einfache Mensurrückschlüsse möglich. Klanglich kann die Vox humana an eine Klarinette herankommen. Wir werden versuchen bei nächster Gelegenheit die Mensuren zu erfassen und hier einzubringen.

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und hier der Gesamtplan mit Maßstab in württ. Fuß

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Comitee „Eberhard Friedrich Walcker Memorial Organ Rousse“ in Gründung

Die unmittelbare Gründung eines Orgelkomitees steht bevor. Gründungsmitglieder sind Ognian Zhekov, Präsident des Europ. Kulturzentrums in Russe und Silvi Stamboliev, ehemaliger Direktor der Philharmonie und ehemals Chef der Oper sowie der Musikschule in Russe. Die Fertigstellung des großen Theatersaals und der Beginn der Arbeiten am Orgelsaal geben Anlass zur Hoffnung, dass die Orgel für das Theater in Rousse, die kategorisch nach den Prinzipien Eberhard Friedrich Walckers gebaut werden soll, noch dieses Jahr in Auftrag gegeben wird. Wie wir erfahren haben sollen verschiedene Kulturträger aus der Stadt sowie zwei Organisten aus Sofia als Mitglieder des Komitees bestellt werden.

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Opus 109 Horb – ein Tagebucheintrag

Johann Baptist Hausch (1802 -1877) ist es zu verdanken, dass wir über die Logistik Eberhard Friedrich Walckers aufgeklärt werden. Denn jener Herr führte ein Tagebuch, indem der genaue Anlieferungstag der neuen Orgel Opus 109, 31 Reg. , im Jahre 1852 vermerkt wurde. Erstaunlich ist, die Orgel wurde am 30. April angeliefert und fünf Wochen später eingeweiht!

Anno 1852 am 30.April, Abends 1/2 acht Uhr, ist die neue Orgel von Ludwigsburg hier angekommen in einem besonderen großen Wagen, welchem ehemals dem alten König Friederich der I te gehört hatte zum Elefannten beijführen, es war ein furchtbarer großer Wagen, 23′ lang und 9 Fuß breit, ganz eingemacht und dunkelgrün angestrichen, gehörte als Eigenthumm dem berühmten Orgelmacher v. Ludwigsburg, Nammens Walker. Am 3.Maij 1852 habe ich, Johann Hausch, Zimmermeister, auf dem großen Cohr in der Stifts-Kirche die ehemalige neben der Orgel angebrachte und angebaute zweij Emporenbühnen abgebrochen und das Holtz zum Verkauf auf dem Kirchplatz beijm Cammeralammts-Gebeude getragen. Es war so viel Holtz und Bretter wie von einem kleinen Wohnhaus; es haben helfen abbrechen meine Sohn Johann Hausch, Mathes Schlotter v Rexingen.

zugestellt von Frau Marianne Hausch (UrUrenkelin d. Verfassers)

aus einer „Horber Chronik“ geht weiter hervor:

Orgel-Concert. Die in der hiesigen Stadtparrkirche nunmehr aufgestellt neue Orgel des Hrn. Walker in Ludwigsburg wird am

Montag, den 7.Juni d.J

von Herrn Musikdirektor J.Seitz aus Reutlingen übernommen werden. Hierauf wird Hr. Seitz Nachmittags dem Publikum die Leistungen des Orgelwerks in einem Concerte vorführen u. die nachbezeicheten Musikstücke produciren:

es folgen nun verschiedene Präludien und Arien etc. von Geißler , Händel, Hesse und Seitz selbst.

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Opus 16 Winzerhausen

wurde wiederentdeckt, mit dem wundersamen Einbau eines Ahlborn-Spieltisches.

Ein „surrealistisches Konzept“ das einem „Schwarzstreichen der Raffaelschen Madonna“ gleich käme.
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150 Jahre ist es her…

Das Jahr 1857 im Lichte eines Taschenkalenders von Eberhard Friedrich Walcker. Ein Dokument, das uns sehr, sehr viel Arbeit gekostet hat. Auf den 16 Textseiten sind auch Skizzen Eberhard Friedrichs und seine komplexe Auseinandersetzung mit den Konstruktionen Aristide Cavaillé-Colls, dessen Werkstatt er in diesem Jahr besucht hat. Außerdem war Walcker in der Schweiz und in London, wo er sich auf die Bostoner Orgel vorbereitet hat. Wir haben den kompletten Kalender transkripiert und alle wichtigen Passagen in dieses PDF-Dokument eingebracht. Es wird klar, dass die Geschichtsschreibung über EFW eine Menge wird ändern müssen. Für jeden Orgelbauer und Orgelliebhaber aber geht aus diesen wenigen Zeilen und Bildern hervor, wie wichtig der romantische Deutsche Orgelbau war, gegen den Französischen Orgelbau gesetzt. Den heutigen Technokraten, die mit ihren positivistischen Formeln an der Romantik herumhampeln, sei gesagt, dass sie aus diesen wenigen Äußerungen des romantischen Genies und Schaffenden lernen können, zumindestens, dass Technik eben nur eine untergeordnete Bedeutung hat, gegen jeden schöpferischen Vorgang im Menschen. Damals, noch unter dem Einfluss Goethes und Schillers hat das deutsche Handwerk intuitiv und damit Großartiges geschaffen. Heute, unter dem Einfluss von Stubengelehrten und troglodytischen Mathematiklehrern, wird alles verdorben, was jene an Orgeln fassen. Hier, in der Deutschen Orgelromantik sind die Quellen, um unsere organole Gegenwart aufzuwerten – nirgendwo sonst.. (16MBYTE PDF)

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